Sirenen schreien weiter

Am Ende

Gedichte Christoph Müller Sirenen schreien weiter

Lampen ziehen Bänder;
Gesichter formen Klang;
Herzen schlagen dichter,
Und Augen zittern bang.

Wir gehn den Weg gemeinsam,
In Fleisch und Kuss verbunden,
In Luft und Licht gefangen,
Gejagt und voller Wunden.

Sommerwind streift Lachen;
Der Abend leuchtet rot,
Und eines, das ist sicher:
Am Ende alle tot!

Dämonenregen

Gedichte Christoph Müller Sirenen schreien weiter

Frost steigt aus Träumen
Durch die Schläfen heraus;
Dein Herz schnürt die Kehle,
Und es platzt in die Augen.

Dämonen aus Ruß
Kratzen in deiner Haut;
Im Kopf dröhnt der Schlund,
Und die Zunge schweigt bitter.

Feuer klärt Dunkel;
In den Wänden zuckt Licht,
Und Hitze rauscht dumpf
Über stechende Lippen.

Regen spült Asche
Und den Druck aus den Gliedern;
Im schwarzen Wasser
Öffnet sich dein Mund.

Grünes Leuchten

Gedichte Christoph Müller Sirenen schreien weiter

Glashalme leuchten
Auf einem Hügel aus Asche,
Und violett scheint
Der Himmel
In Deinem Haar.

Meine Schritte und Blicke
Im schwarzen Sand,
Nehmen Sekunden gefangen
Und unser
Grünes Leuchten.

Sirenen schreien weiter

Gedichte Christoph Müller Sirenen schreien weiter

Es ist immer noch ganz nah,
Nur ein dünnes Blatt dazwischen:
Brennendes Tau an deinem Herzen
Und mit dunklen Netzen fischen.

Kaltes Wachs spannt in den Schultern,
Schwere Knochen liegen lassen;
Keine Tränen für die Augen,
Keine klaren Gedanken fassen.

Keine Spiegel, keine Scheiben,
In deinem ausgebrannten Haus;
Die Passanten ziehn vorbei,
Nur der Wind geht ein und aus.

Und Sirenen schreien weiter;
Du schaust gebannt ins bunte Licht,
Bis von deinem hellen Körper
Nur noch ein Schatten übrig ist.

ÜberWunden

Gedichte Christoph Müller Sirenen schreien weiter

Digitale Stille
In meinem Zimmer;
Unrat klebt am Boden –
Interessiert mich nicht.

Lachen auf den Fluren
Geht an mir vorbei;
Stumpfe Blicke, leere Worte –
Ich beachte euch nicht.

An einem anderen Ort
Schließe ich das Fenster –
Voller Wunden, schwer geschunden –
Und lösche das Licht.