Klabund

Klabund: Alles, was geschieht

Gedichte Expressionismus Klabund

Alles, was geschieht,
Ist nur Leid und Lied.
Gott spielt auf der Harfe Trost sich zu.
Welle fällt und steigt.
Ach wie bald schon neigt
Sich dein Haupt im Tod. Dann lächle du.

Klabund: Du wehst um meine Wangen

Gedichte Expressionismus Klabund

Du wehst um meine Wangen,
Du lächelst aus dem Licht.
Ich bin von dir umfangen
In herbstlichem Gedicht.

Ich bin von dir umründet,
Ich bin von dir umhallt.
Ich bin mit Dir verbündet:
Gestalter und Gestalt.

Ich bin von dir umgeben,
Ich bin von dir umkreist.
Mein Sterben und mein Leben
Sind Geist von deinem Geist.

Klabund: Es ist genug

Gedichte Expressionismus Klabund

Es ist genug. Mein trübes Licht
Bereit‘ sich zu erlöschen.
Ich hab‘ vertan mein Recht und Pflicht
Und meiner Seel‘ vergessen.

Es ist genug. Es weht ein Wind,
Weht nicht von Ost nach Norden.
Auf der Milchstraße wandert ein weißes Kind,
Ist nicht geboren worden.

Du über den Häusern heller Schein,
Wovon bist du so helle?
Stehst du um die Stirn einer Jungfrau rein
Oder brennt ein Sünder zur Hölle?

Klabund: Ich bin von Feuerringen

Gedichte Expressionismus Klabund

Ich bin von Feuerringen
Umkreist zu meiner Not.
Ich hör die Vögel singen
Im hellen Abendrot.
Sie schweben und sie schwärmen
Und singen sich zur Ruh.
Sie leben und sie lärmen.
Wozu?

Wir halten uns umfangen
In Nacht und Paradies.
Die Abendglocken klangen
Aus dumpfestem Verließ.
Wir wissen unsrer Hände
Und Herzen einen Pfad.
Wer weiß, wie bald das Ende
Uns naht.

Klabund: Ich habe ja ein Kind

Gedichte Expressionismus Klabund

Ich habe ja ein Kind,
Nun kann ich nicht mehr sterben,
Wenn meine Augen tot und blind,
Dann hab‘ ich einen Erben.

Alle meine Träume flattern
In meines Kindes Augen wieder mit blauen Flügeln auf,
Schießen zwitschernd um seines jungen Turmes sonnegoldnen Knauf,
Wenn dumpf schon ferne die Gewitter rattern.

Du wirst mich ganz erfüllen,
Und meine Unruh stillen,
Mein Kind… du überwindest mein Martyrium.
Wenn ich begraben werde,
Wirf du die erste Handvoll Erde
Auf meinen Sarg – und dreh dich lachend um.

Geh hin zum neuen Leben,
Mehr kann ich dir nicht geben,
Als was ich war… und ich war ich.
Mein Blut soll in dir singen,
In meine Tiefe dringen,
Wenn längst sich Wurm auf Wurm in meinen Schädel schlich.