Frieden statt Erlösung

Dunkelheit und Rauschen

Gedichte Christoph Müller Frieden statt Erlösung

Lass Schnee in dunklen Wipfeln singen,
Den Frost orange auf deiner Haut verglühn.
Lass jeden Schritt im Moder klingen
Und blauen Wind durch deine Haare ziehn.

Spür wie die Tropfen aus dem Firmament
Sich langsam in die Lunge setzen,
Und harre aus, wenn alles rennt;
Lass süßes Harz den Mund benetzen.

Den schwarzen Tau aus Furchen nippen –
Und ist das Haupt auch noch so matt:
Sei Lächeln auf der Jugend Lippen,
Sei jeder Ast und jedes Blatt.

Freunde dich an mit Dunkelheit und Rauschen,
Und stell dein Bett in diese Nacht,
Um niemals jenen Platz zu tauschen,
Der dich dem Himmel nah gebracht.

Frieden statt Erlösung

Gedichte Christoph Müller Frieden statt Erlösung

Ob im Licht oder im Schatten –
Lass die Fackel in der Hand,
Und zieh weiter durch dein Leben,
Durch die Täler bis zum Rand.

Lass nicht den Weg von Furcht dir weisen,
Und trau verzerrten Spiegeln nicht;
Geh langsam durch die tiefe Nacht,
Mit warmem Leuchten im Gesicht.

Trag die Flamme durch den Tunnel,
Lass sie brennen für den Feind,
Dass am Ende eure Asche
Sich im Wirbelwind vereint –

Sich langsam senkt auf neue Wege,
Boden gibt für neue Frucht,
Dem Fremden eine Spur entsende,
Der Liebe statt Erlösung sucht.

In das Licht

Gedichte Christoph Müller Frieden statt Erlösung

Wir fahren durch den Nebel,
Sehn nur die nächsten hundert Meter;
Unsre Zungen sind wie Knebel,
Und die Angst kommt vielleicht später.

Wir rollen über schwarze Splitter;
Das Licht ist warm im kalten Schädel;
Strahlen brennen gelb durch Gitter;
Ich drücke weiter auf den Hebel.

Die Farben leuchten für Sekunden,
Nur dieser Weg führt in das Licht;
Es fühlt sich an als wärn es Stunden,
Und deine Miene regt sich nicht.

Wir fahren weiter durch die Nacht,
Nur noch für ein paar hundert Meter;
Ans Ende dieser Welt gebracht,
Und die Angst kommt vielleicht später.

Sich in die Tiefe neigen

Gedichte Christoph Müller Frieden statt Erlösung

Wir sitzen in den Räumen,
Mit Mauern im Gesicht,
Zwischen Fenstern und Träumen,
Von denen niemand mehr spricht.

Und ich fühle mich fremd,
Tretet aus meinen Augen!
Wenn der Horizont brennt …
Kann eure Worte nicht glauben.

Blindtext zwischen Maschinen,
Ich fühl mich dir trotzdem nah,
Wenn unsre Wege ergrünen,
Wo vormals Finsternis war.

Komm und lerne zu sterben
Und ins Wasser zu steigen,
Diese Wurzeln zu erben,
Sich in die Tiefe zu neigen.

Denn unter den Bäumen
Schlägt ein riesiges Herz –
Keine Stunde versäumen,
Hier in unserem März.