Zeremonie

20.02.2020
Gedichte Christoph Müller Nachtschreck

Für Rebecca

Eine Erinnerung schaffen,
An den Moment des Todes,
An die schwarzen Schatten
Unter unserer Haut,
An das Stechen der Brust
Und den Schnitt in die Adern,
Wenn rastlose Hände
Nasse Wangen berühren.

Brenn mir Dein Gift in die Lunge,
Press die Hand auf den Mund!
Halt meinen Kopf in der Kälte,
In diesem weinenden Schweigen –
Und meine eisigen Finger
An Deine zitternden Schenkel!
Es prasselt Regen auf uns,
Der die Gesichter zerfrisst.

Nimm mich dann fest in die Arme,
Sieh in den Augen den Schrei;
Streiche Blut auf die Lippen,
Asche auf unsre Lider!
In mir zerreißt mich ein Sehnen
Nach Deinem Atem bei mir,
Nach unsrer Stille und Lust,
Die die Nacht bersten lässt!

Kratz mir tief in die Wunden,
Riech die Fäulnis der Haut;
Nimm mir die Luft an der Brust,
Press mich tief in den Schoß!
Reiß mir das Herz aus den Knochen;
Gib mir den letzten Kuss –
Hüll mich in Dein schwarzes Laken,
Wenn ich sterben muss!

Und Angst macht mich schlaflos,
Wenn Du bei mit verglimmst,
Wenn Dein Fleisch sich verknotet
Und Dein Brustkorb sich senkt,
Deine Hand mir entgleitet,
Auf den Erdboden fällt.
Nichts ist für mich schlimmer,
Als diese dunkle Gewissheit!

Ich will mit Dir leben,
Mit Dir darin vergehen,
Uns die Augen aufreißen,
Schlimmste Träume entfesseln!
Wir sprangen brennend ins Wasser,
Um darin Atmen zu lernen,
Während wir tiefer sinken
Und Du mich unverhüllt siehst.

Ich will, dass Du mir weh tust,
Damit Du Dich erblickst –
Diese unendliche Schönheit,
Die mir das Herz zerbricht!
Und meine kindliche Liebe,
Die Dich behüten will –
Die sonst niemand sieht,
Und die nachts zu Dir spricht …