Gedichte

Winterblüte

Gedichte Christoph Müller Winterblüte

Der moorige Nebel
Dunkler Wintertage
Dringt eisig,
Wie die Splitter
Eines Astes,
Der meinen Händen entglitt,
In die Poren meiner violetten Blattsegel,
Treibt rostige Nägel
In die Knospe
Meiner Herzblume,
Winterblüte.
Graues Blut strömt;
Trüber Fluss
In schwarzer Rinde.
Braunes Segel im Schneesturm;
Erdblatt – Herbstasche.

Nachtraum

Gedichte Christoph Müller Winterblüte

Ich suchte dich,
In diesen dumpfen Nächten,
In den Nischen meines kranken Raumes,
Fand nur dein bleiches Haar
Auf meinen Schultern –
Birkener Verfall.
Hinter mir ein greller Schrei
In Säurefarben.
Du lagst begraben
Unter all den leeren Bildern
Meiner alten Straßen.
Ich bin traurig.
Wovon soll ich träumen?

Novemberwind

Gedichte Christoph Müller Winterblüte

Du bläst trübe Melodien
Auf den kahlen Ästen
Starrer Bäume.
Dein Gesang schimmert grau
Durch die kalte Luft,
Grau wie der Asphalt
Unter meinen gläsernen Füßen.
Hier stehe ich nun,
Fest verwurzelt
Im kristallenen Ozean;
Hier werde ich bleiben.
Die Flamme, die euch wärmt –
Sie hat mich verbrannt.
Ich rieselte wie Asche
Aus deinem schwarzen Haar,
Bin jetzt eine Schneesäule,
Zittere.
Du küsstest das Licht
Von meiner Stirn.

Klarer Atem

Gedichte Christoph Müller Winterblüte

Gestern sprangen wir
Durch die lichten Wälder
Unseres blauen Frühlings.
Dein Schmerz lauerte
Hinter den warmen Nebeln
Süßer Dunkelheit.
Wir hielten uns an der Hand
Und tanzten durch
Leere Hallen,
So weit wie der bunte Himmel.
Klarer Atemzug:
Dein Gesicht,
Dein schönes Gesicht,
Ist nun zerlaufen
Unter den roten Tränen
Des wunden Knaben;
Mein blutiges Rinnsal
Schneidet Gitter
In deine Haut.

Nachtwandler

Gedichte Christoph Müller Winterblüte

Die Treppe hinabsteigen,
Rückkehr
In den warmen Raum.
Verkriechen,
Zwischen den kalten Platten
Des Bunkers
Aus Knochen und Fleisch.
Blendende Geborgenheit.
Über den Steinen
Senkt sich der feuchte Staub
Des ertrinkenden Sternes.