Gewitter

Gedichte Christoph Müller Traumnarben

Motoren rasen blendend
Durch mein Gesicht;
Wind verbrüllt die Ohren.
Gras weht vorbei;
Säure biegt durch Halme.
Alles so schnell,
Alles so laut.
Es hagelt Äste,
Und die Blätter –
Sie drehen sich
In den Schreien der Bäume.
Meine Sicht strudelt;
Strahlen fallen aus Fenstern;
Aus Türen rennen Straßen.
Das Licht ist nass;
Die Schritte kleben.
Die Iris saugt hinauf:
Mein Schatten am Vorhang.
»Mein Kind, es ist spät;
Gehe zu Bett!«
Ich kann nicht schlafen;
Meine Träume sind furchtbar.
Es ist alles so kreischend;
Ich muss mich nicht hören.
Wäre es leise –
Nichts würde ich hören.
Schon wieder bebt
Ein Blitz in meinen Rücken;
Ich muss fort.
Niemals still;
Nicht schlafen,
Nur nicht schlafen.
Meine Träume sind furchtbar.
Ich krüppele weiter
Durch Friedhofsstätten –
Die Friedhofsstadt.
In den Häusern ist es dunkel;
Sie schlafen schon.
Ihre Träume sind furchtbar.
Ich bin nicht bei ihnen;
Ich stehe im Sturm.
Blicksucht dürstet nach Lichtschein;
Ich schlürfe eine Flamme.
In den Brunnen
Leuchtet Phosphor;
Wir können das
Feuer nicht löschen.
Immer trinken,
Immer brennen.
Meine Augen schwirren;
Ich schreie Tollwut
In meine Zelle;
Ich erschieße uns alle.
Das Licht ist rot,
Und Blut ist Milch.